
Gefühlter Stillstand – und warum wir trotzdem weitergehen
„Ich habe das Gefühl, es tut sich nichts mehr. Alles steht irgendwie still.
Dieser Satz kam neulich in unserer Selbsthilfegruppe zur Sprache – leise, fast entschuldigend gesagt, aber sofort war spürbar: Viele nicken. Viele kennen dieses Gefühl.
Es fühlt sich an, als sei man wieder am Anfang.
Als würde sich alles nur noch im Kreis drehen.
Als hätte sich das Leben festgehakt.
Und dann? Kommt die Selbstkritik. Das schlechte Gewissen.
„Ich müsste doch längst weiter sein.“
„Wieso bin ich schon wieder an diesem Punkt?“
„Wieso fühlt sich alles wieder so leer an?“
GRUPPENTHEMEN
Impulse aus der Selbsthilfe – echt, ehrlich, alltagstauglich
In dieser Rubrik greife ich Themen auf, die in unserer Selbsthilfegruppe auftauchen – nicht theoretisch, sondern so, wie sie im Alltag wirklich wirken:
ungefiltert, ehrlich, manchmal widersprüchlich, aber immer menschlich.
Die Beiträge basieren auf echten Gesprächen, auf Gefühlen, die viele kennen, aber selten laut aussprechen.
Sie sollen Orientierung bieten, ohne Lösungen aufzudrängen – und vielleicht einfach zeigen:
Du bist mit dem, was du fühlst, nicht allein.
Ob ADHS, Angst, Depression, Erschöpfung oder Veränderungsprozesse – hier geht es nicht um Diagnosen, sondern um Erfahrungen.
Nicht um Ratschläge, sondern um Austausch.
Nicht um perfekt sein, sondern um unterwegs sein.
Stillstand – oder nur ein Gefühl davon?
Die Gruppe hat sich Zeit genommen, das Thema genauer zu beleuchten.
Was schnell deutlich wurde: Auch wenn es sich wie Stillstand anfühlt – es ist keiner.
Denn in Wahrheit steht niemand wirklich still. Nicht innerlich.
Was in solchen Phasen passiert:
- Alte Muster greifen nicht mehr, neue noch nicht ganz.
- Der Körper ist müde, der Kopf leer, das Herz verunsichert.
- Das Außen wirkt ruhig, das Innen chaotisch.
Und trotzdem bewegt sich etwas – unter der Oberfläche.
Erinnerung an das Labyrinth
Mir fiel dabei eine Erfahrung ein, die ich vor einiger Zeit im Erfahrungsfeld der Sinne – Eins und Alles bei Welzheim gemacht habe.
Dort gibt es im Wald ein Labyrinth, ausgelegt auf dem Waldboden. Kein Irrgarten mit Wänden, sondern ein begehbarer Pfad in Spiralform. Man läuft, scheinbar im Kreis, von außen nach innen und wieder hinaus.
Ein Moment ist mir besonders im Gedächtnis geblieben:
Ich war überzeugt, an einer Stelle schon gewesen zu sein. Es fühlte sich identisch an – doch dann bemerkte ich: Ich war nur einen Gang daneben.
Und genau das ist es:
Wir sind nie exakt da, wo wir vorher waren.
Auch wenn es sich so anfühlt.
Wir sind ein Stück weiter, mit neuen Eindrücken, neuen Fragen, neuen Spuren unter den Füßen.
Wenn du denkst, du stehst – bewegst du dich leise
Im Gruppengespräch wurde klar: Dieses „Ich-komm-nicht-voran“-Gefühl ist nicht das Ende einer Entwicklung, sondern ein notwendiger Teil davon.
Ein Zwischenraum.
Ein Leerlauf, der nötig ist, damit das, was sich innerlich verändert hat, überhaupt ankommen kann.
Was hilft in solchen Phasen?
- Sich austauschen. Wie in der Gruppe. Das allein entlastet.
- Erinnern: Auch wenn sich nichts verändert anfühlt, verändert sich gerade sehr viel.
- Nicht funktionieren wollen. Sondern einfach da sein.
- Kleine Rituale. Bewegung, Musik, Schreiben, Natur – was auch immer den Boden unter den Füßen spüren lässt.
Fazit: Entwicklung sieht nicht immer aus wie Fortschritt
Manchmal sieht sie aus wie Müdigkeit.
Wie Zweifel.
Wie ein Labyrinth, in dem man glaubt, sich zu wiederholen.
Aber in Wahrheit ist man unterwegs.
Immer.
Erfahrener. Bewusster. Und nie ganz am selben Punkt.
📂 Diese Reihe: Gruppenthemen
Dieser Beitrag ist der erste Teil einer losen Blog-Reihe, in der ich Themen aus Selbsthilfegruppen aufgreife – anonym, ehrlich, praxisnah.
Vielleicht findest du dich darin wieder. Vielleicht auch nicht. Aber vielleicht hilft es dir, zu merken: Du bist nicht allein.
➡️ Wenn du Fragen oder eigene Erfahrungen zum Thema „Stillstand“ teilen möchtest – schreib mir gern.
➡️ Oder komm bei Gelegenheit selbst mal in die Gruppe. Zuhören reicht manchmal schon.








